Das abgelaufene Jahr war geprägt von einer hohen Dynamik und starken Ausreißern an den internationalen Kapitalmärkten über nahezu alle Assetklassen hinweg. Trotz einer schwächelnden Weltkonjunktur konnten Edelmetalle und Rohstoffe teils kräftige Preisaufschläge verzeichnen, ohne dass dieses Preisverhalten zwingend mit einer steigenden Nachfrage im Zusammenhang stand. Allein die Tatsache, dass die Angebotsseite teils künstlich massiv verknappt oder gar die Verfügbarkeit durch willkürliche Exportbeschränkungen zum Beispiel von Seltenen Erden oder technischen Bauteilen wie Chips verhängt wurden, zeigt mehr als deutlich, dass die Machtinteressen Einzelner über dem Wohle der Allgemeinheit stehen. Immer mehr Regierungen setzen die eigenen Interessen opportunistisch in Form eines hybriden Handelskrieges durch und das ist gleichbedeutend mit einem Ende, beziehungsweise einem Rückbau der Globalisierung. Vor allem in der westlichen Hemisphäre führte diese Globalisierung zu einem zusätzlichen Wohlstandszuwachs, da viele Waren in anderen Regionen dieser Welt günstiger zu produzieren waren und diese Windfall-Profits führten zu liebgewonnen Zusatzerträgen. Leider wurden hierbei allzu oft die Abhängigkeitsrisiken unterschätzt. Dies fällt nun besonders den Exportnationen mit hohen Lohnniveaus ohne eigene wichtige Rohstoffvorkommen auf die Füße. Der Reformdruck ist deshalb in einzelnen Volkswirtschaften inzwischen derart hoch, dass dies nur durch strukturelle Anpassungen auf der Ebene der Staaten, neuer Absatzmärkte und den Abbau von regulatorischen Hindernissen bewältigt werden kann. Der Reformdruck auf die Politiker jeglicher Couleur und Gesetzgeber sowie die hieraus abzuleitende operative Hektik ist insbesondere innerhalb der EU spürbar. Da die Verschuldung der öffentlichen Haushalte weltweit unverändert nicht im Griff ist, sind zusätzliche fiskalische Stimuli zwar denkbar, aber weiterhin nicht ratsam. Unverändert fehlte eine nachhaltige Marktbreite, da nur wenige Werte aus bestimmten Sektoren, für die auf Index-Ebene meist positiven Vorzeichen ausschlaggebend waren. Mit Donald Trump hat sich die Schlagzahl der Tweets und vor allem der Ton gegenüber „Freund und Feind“ verändert und es fühlt sich fast so an, als wurden die USA neu erfunden. Dank der Einführung von Zöllen soll die Vision von: MAGA (Make America Great Again) von der restlichen Welt finanziert werden; bis dato allerdings mit offenem Ausgang. Die Beendigung des Ukraine-Kriegs innerhalb von 24 Stunden nach Amtsantritt lässt allerdings leider auch noch auf sich warten.
Das Jahr 2026 begann mit einem militärischen Paukenschlag, denn der US-Präsident lies den venezolanischen Präsidenten N. Maduro in Caracas festnehmen und entführen. Mit dieser Machtdemonstration dürfte der Beweis erbracht worden sein, dass wirtschaftspolitische Ziele auch von Rechtstaaten gegen geltendes Völkerrecht durchgesetzt werden. Was das für andere südamerikanische Staaten, chinesische Begehrlichkeiten in Richtung Taiwan, die Verschiebung von Landesgrenzen und die Zukunft von Grönland bedeuten könnte, bleibt abzuwarten. Die Stabilität des NATO-Bündnisses ist zumindest fragiler, aber unverändert von existentieller Bedeutung gegenüber anderen Mächten. An den Kapitalmärkten wird mit Spannung die Neubesetzung des amerikanischen Notenbankchefs erwartet. Donald Trump hat das Anforderungsprofil derart modifiziert, dass eine gewisse Neuausrichtung der bisherigen Notenbankpolitik planmäßig umzusetzen ist. Inwiefern die Unabhängigkeit der FED darunter leiden wird und welche Auswirkungen das auf den Außenwert der US-Valuta sowie den amerikanischen Kapitalmarkt hat, dürfte sich im Laufe der Legislaturperiode Tumps noch zeigen. Wir erwarten, dass der amerikanische Kapitalmarkt grundsätzlich uneingeschränkt von seiner Größe und Liquidität profitieren wird. Gewisse Tendenzen und strukturelle Diversifikationsanpassungen im Anlageverhalten von Notenbanken, Pensionskassen und institutionellen Investoren halten wir allerdings für sehr wahrscheinlich. So hat zum Beispiel China – als bisheriger Hauptgläubiger – im abgelaufenen Jahr nahezu den Gesamtbestand an US-Staatsanleihen abgebaut. Auslöser herfür dürfte eine Risikoneubewertung von Vermögenswerten außerhalb des eigenen Zugriffsbereichs sein. Derartige Prozesse führen zu gravierenden Umbrüchen und sind ständig zu beobachten und zu bewerten. Treiber für die Weltwirtschaft bleiben geplante Ausgaben der bereits verschuldeten Öffentlichen Hand und unverändert die Möglichkeiten im Bereich des technologischen Fortschritts, insbesondere durch Themen wie KI, Automatisierung, nachhaltiges Rohstoffmanagement, erneuerbare Energien und Medizin. In Kombination mit einem Regulierungsabbau ergeben sich auch auf Sicht wieder Chancen für die europäische und heimische Konjunktur. Rückenwind für die Börsen sehen wir in der anhaltend positiven Ertragssituation in gut positionierten Konzernen, durch weitere Aktienrückkäufe und eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Bei einer unverändert hohen Volatilität und zunehmender Prognoseunsicherheit halten wir es für den strategisch orientierten Investor für unabdingbar, am Kapitalmarkt aktiv investiert zu sein. Bei der Vermögensallokation bleiben Dividendentitel ein zentraler Baustein und unverändert eine unabdingbare Alternative zu den meist unter der Inflationsrate rentierenden Staats- und Unternehmensanleihen. Wir präferieren fungible Substanz- und Sachwertwertanlagen sowie vereinzelt Rohstoff- und Edelmetallengagements.