Rückblick / Ausblick zum Quartalsende Q III / 2026

Das dritte Quartal 2026 stand erneut im Zeichen einer deutlichen Verschärfung geopolitischer und wirtschaftspolitischer Risiken. Die Entwicklungen bestätigten damit die bereits im ersten Halbjahr erkennbare Tendenz, dass politische Entscheidungen zunehmend zu einem dominierenden Einflussfaktor für die internationalen Kapitalmärkte werden. Der Krieg im Nahen Osten blieb dabei ein zentraler Belastungsfaktor. Die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen führten zu erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich der globalen Energieversorgung und rückte insbesondere die strategische Bedeutung der Straße von Hormus erneut in den Fokus. Gleichzeitig setzte sich der Krieg in der Ukraine ohne nachhaltigen Durchbruch bei den Friedensbemühungen fort. Die anhaltenden Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur verdeutlichen, dass auch der europäische Sicherheitskonflikt weiterhin erhebliche wirtschaftliche und politische Risiken birgt.

Die geopolitischen Spannungen schlugen unmittelbar auf die Energiemärkte durch. Der Öl- und Gaspreis reagierte erneut mit Preisaufschlägen auf die geopolitischen Entwicklungen und verstärkte damit den Inflationsdruck, weshalb die Risiken für die globale Energieversorgung und die europäische Wirtschaft erneut in den Fokus rückten. Der Anstieg der Energiepreise sorgte für zusätzlichen Preisdruck, während die Kerninflation weiterhin oberhalb des mittelfristigen Zielwerts der Europäischen Zentralbank lag. Folgerichtig erhöhte die Europäische Zentralbank den Leitzins im September erneut; zugleich vollzog die Federal Reserve erstmals seit 2023 wieder eine Zinserhöhung. Damit hat sich die Erwartung einer raschen geldpolitischen Lockerung deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig stiegen die Renditen langfristiger US-Treasuries und europäischer Staatsanleihen auf Niveaus, wie zuletzt Anfang der 2000er-Jahre. Neben Inflation und Geldpolitik rückten dabei zunehmend hohe staatliche Defizite, steigende Neuverschuldung und wachsende Zinsausgaben in den Fokus der Anleger. Die höheren Renditen spiegeln damit auch die gestiegenen fiskalischen und politischen Risiken wider.

Auch die innenpolitische Entwicklung in Deutschland hat im dritten Quartal an Bedeutung gewonnen. Die Landtagswahlen verdeutlichten eine zunehmende Zersplitterung des politischen Parteiensystems. Die politische Mitte steht damit zunehmend unter Druck. Für die Bundesregierung erschwert dies die Umsetzung notwendiger Strukturreformen. Gleichzeitig ist der Reformdruck angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands gestiegen. Dies könnte zu längeren Entscheidungsprozessen und einer geringeren Umsetzungsgeschwindigkeit notwendiger Reformen führen.
Mit Blick auf das vierte Quartal rücken neben den geopolitischen Entwicklungen zunehmend die politischen Rahmenbedingungen in den USA in den Vordergrund. Am 3. November finden die sogenannten „Midterms“ statt, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats neu gewählt werden. Die daraus resultierenden Mehrheitsverhältnisse werden maßgeblich bestimmen, welchen politischen Handlungsspielraum die US-Regierung für die 2. Hälfte der Legislaturperiode besitzen wird. Bereits im Vorfeld bestimmen die Themen: Inflation, hohe Energiepreise und die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts die Stimmung an den Weltbörsen.

Das skizzierte Umfeld hat zu deutlichen Kursabschlägen an den Rentenmärkten geführt. Umso bemerkenswerter ist dabei die Entwicklung der internationalen Aktienmärkte, die sich trotz der erheblichen Belastungen im bisherigen Jahresverlauf widerstandsfähig verhielten. Es lässt sich derzeit ableiten, dass Investoren weiterhin auf die solide Gewinnentwicklung vieler Unternehmen und langfristige strukturelle Wachstumsthemen setzen. Die gestiegenen Anleiherenditen verbessern zugleich die laufenden Ertragsperspektiven der Rentenmärkte, während Risiken weiterer Renditeanstiege bestehen bleiben. Entscheidend werden daher die weitere Entwicklung der Energiepreise, die Inflationsdaten, die Reaktion der Notenbanken, die fiskalpolitische Entwicklung in Europa und den USA sowie der Ausgang der US-Midterms sein. In diesem Umfeld gewinnen eine sorgfältige Titelauswahl, solide Unternehmensbilanzen, eine angemessene Liquiditätssteuerung und eine flexible Vermögensallokation weiter an Bedeutung.

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